• Link zur Seite versenden
  • Ansicht zum Drucken öffnen
 

Ausstellungseinführung für Günay Kais

Bagger 1 von Günay Kais, Acryl auf Leinwand, 2014 (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Bagger 1 von Günay Kais, Acryl auf Leinwand, 2014

Lioba Grieshaber und Günay Kais - 6. Werkschau der Ausstellungsreihe “Open View“ von Teilnehmer*innen des Kunstkollegs an der Hochschule Kunst, Design und Musik Freiburg

 

Leiselheimer Galerie „Brunnenstüble“

 

24. September 2014


Ausstellungseinführung für Günay Kais

Günay Kais, 1962 in der Türkei geboren, bezeichnet das Malen als ihr Leben. Sie ist fasziniert, von den Farben und ihrer Wirkungskraft. Günay liebt es nachts zu malen, denn nachts sehen die Dinge ganz anders aus und gerade dann bringt sie ihre Bilder durch die Farben zum Leuchten. Sie malt mit Acrylfarben auf Leinwand im mittelgroßen Format (ca. 200 x 165 cm).

 

Günay lässt sich gerne von der Freiburger Umgebung als Lebensort inspirieren. Alles aus ihrer Alltagswelt kann Anlass für die Malerei sein. So wurde auch der Teilabriss der alten Universitätsbibliothek ein Motiv ihrer Arbeit, woraus Günays (Bagger)-Serie entstand, die hier heute im Rahmen der Ausstellung präsentiert wird.

 

Am meisten überwältigt war sie damals von den prägenden Bildeindrücken der sich durch die Wandmauern beißenden Abrissbagger, sodass sie das Geschehen fotografisch festhielt. Vielleicht ja auch, weil Günay selbst hinter diesen alten Gemäuern studiert hatte.

 

2012 entstand das erste Bild der Serie, welches im Vergleich zu den folgenden Bildern am gegenständlichsten und dem ursprünglichen Motiv am nahesten ist. Doch schon durch die Wahl des engen und vergrößerten Bildausschnitts ist die Baumaschine beim Wegreißen der Mauern kaum oder gar nicht zu erkennen. Ihr geht es nicht um die detailgetreue Abbildung eines Gegenstandes. Ihr geht es um die Malerei und darum Emotionen zu erwecken. Günay möchte uns als Betrachter Freiraum für eigene Assoziationen lassen. Aus dem Grunde tragen ihre Bilder auch keine Titel.

 

In ihrer Serie taucht der mächtige Abrissbagger als abstrahiertes, bedrohliches und alles verschlingendes Monstrum auf, das sich vom malerisch flächigen Hintergrund der in Staub zerfallenden Wandmauern absetzt. Im Entwicklungsprozess der Serie löst sich Günay mehr und mehr vom Ursprungsbild, sodass ihre kraftvolle, farbsinnliche Malerei in den Vordergrund rücken kann.

 

Kraftvoll und farbsinnlich wirkt auch Günays Bild, dessen Ausgangspunkt die „Schöne Schlafende“ aus Stein des Alten Friedhofs in Herdern ist. Es ist das Grab von Caroline Christine Walter, die 1876 16-jährig an Tuberkulose gestorben ist. Für die Stadt Freiburg ist die „Schlummernde“ zum Symbol der Ewigen Liebe geworden, angeblich legt ihr ein Verehrer jeden Tag Blumen ans Grab. Für Günay gab die Grabskulptur und ihre Geschichte ein Motiv zum Malen. Sie mag Friedhöfe und die Kunst dort. In ihrem Gemälde betont der grelle, grünliche Hintergrund Günays „Schöne Schlafende“, die sich im Bild-Vordergrund befindet und die gesamte untere Bildhälfte einnimmt. Resultat ist ein fast mystisch wirkendes, abstraktes Bild, das durch den Kontrast von Grün und Rot in höchster Leuchtkraft Wirkung findet.

 

Pressebericht: Roland Vitt: Die Farben der Nacht und der Blick fürs Detail - Doppelausstellung in der Leiselheimer Galerie "Brunnenstüble", in: Badische Zeitung, 24. September 2024, https://www.badische-zeitung.de/die-farben-der-nacht-und-der-blick-fuers-detail (Zugriff: 13. Juni 2024).